Geist des Ortes

Die Geschichte der Straße Masná ulice reicht bis ins Mittelalter zurück, als sie Masotržní oder Masný trh genannt wurde, damals selbstverständlich deutsch Fleischmarktgasse. Seit jeher waren hier Fleischhallen (Macella).

Den Altstädter Fleischern (Carnifices) hatten die Könige Jan und Karl IV. das Pri¬vilegium erteilt, das einem Brand zum Opfer gefallen ist und dann im Jahre 1417 durch Wenzel IV. erneuert wurde. Ihre Zunft und Ordnung hatten sie ab 1359. Jede Halle zahlte ein Talent in die königliche Kammer.

Praktisch jedes Haus hatte in dieser uralten Straße im eigentlichen Herz der Altstadt sein Hauszeichen und deren Besitzer hatte bewegende Schicksale.

Der Stammbaum des Eckhauses mit der Hausnummer 702/9, in dem sich das Hotel Mysterius Carnival befindet, reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück. Im Jahre 1400 war sein Besitzer ein Vorkoster oder Weinschmecker namens Walter, den man damals „Gustator vini“ nannte. Dieses Amt hatten meistens städtische Beamte inne, die das Muster eines Weins, das aus einem Fass vor dem Ausschenken bewertet wurde. Ab dem Jahre 1438 verzierte das Haus ein Hauszeichen und ein Bild des Hl. Hieronymus, ab dem Jahre 1653 das Zeichen U tří mestkomínů (Zu den drei Kaminfegern) und im Jahre 1725-1891 U černého beránka (Zum schwarzen Lämmchen). Im Jahre 1445 kaufte Zikmund, Sohn des Jan Bradatý, das Haus und im Jahre 1563 ging es in den Besitz von Pavel Sedlčanský aus Kosmačov über.

In der Neuzeit ging die Masná ulice als Ort des ungezwungenen Vergnügens, der Masken, des Faschingstreibens und der Karnevale in die Geschichte ein. Berühmt war das Haus U Vusinů (Zu den Vusins) mit seinen „sehr prächtigen Sälen“, in denen dessen Besitzer, der damalige Bürgermeister von Prag Jan Václav Friedrich z Friedberka, zwei- bis dreimal die Woche Redouten oder „Bälle in Mummenschanz oder Masken“ veranstaltete.

Die Maskenbälle entwickelten sich in den romanischen Ländern und ihre Wurzeln reichen bis in das antike Griechenland zurück. Sie wurden zu Ehren des Gottes des Weins und des ungezwungenen Vergnügens Dionysus veranstaltet. Die alten Römer übernahmen deren Brauch, nur den Gott nannten sie Bacchus. Traditionell tauschten Herren und Sklaven ihre Rollen aus.

In Österreich wurden die Maskenbälle am 29. Dezember 1751 erlaubt, doch nur für die höheren Stände, „die den Adelsstand durch ein ordentliches Diplom erlangt hatten, die unbescholten und von gutem Ruf waren, ohne dass sie sich mit einem einfachen bürgerlichen Gewerbe beschäftigten“.

Dies galt jedoch nicht für das Haus U Vusinů, in dem sich jeder frei fühlen konnte und nach eigenem Ermessen eine Verkleidung wählen konnte. Deshalb erfreuten sich die Karnevale großer Beliebtheit.

Auch niedere Stände konnten Adelige werden und umgekehrt.

Die Karnevale U Vusinů (tschechisch Masopust genannt) dauerten immer von 6 Uhr abends bis 2 Uhr morgens.

Die unter der Maske verborgene Identität bot Raum für viele geheimnisvolle Abenteuer, unerwartete Enthüllungen und Begegnungen, ebenso wie Ihr Besuch in Prag. Vergessen Sie gesellschaftliche Konventionen. Begeben Sie sich von dem Hotel Mysterius Carnival aus in die Straßen Prags und entdeckt dessen mystische Atmosphäre.

Die ursprünglichen gotischen, mittelalterlichen, Empire-Stil- und Jugendstilhäuser in der Straße Mas¬ná wurden schrittweise abgerissen und durch Häuser der verschiedensten Stile ersetzt. Einige wurden im 17. Jahrhundert und in den 30. Jahren des 18. Jahrhunderts im Barockstil umgebaut, wie beispielsweise das Haus Nr. 620 U zlaté Labutě (Zum goldenen Schwan, ursprünglich U Vusinů) oder im Stil der Neorenaissance wie etwa die Gebäude der Altstädter Mädchenschule Nr. 700 und 701. Bedeutend sind auch die funktionalistischen Häuser Nr. 703 und 702, errichtet in den Jahren 1929-30. Eines von ihnen entwarf der ausgezeichnete Prager Architekt Oldřich Tyl für den Geiger Otakar Špindlen. Die örtliche Schule in der Masná ulice besuchte auch Franz Kafka (1883-1924).

Die heutige Masná ulice ist somit ein Mikrolaboratorium der verschiedensten architektonischen Stile, ebenso wie ganz Prag. Mit Recht steht sie auf der Liste des UNESCO-Kulturerbes.